Historie der Fa.
F.Ehrich
Es
war am 1. November 1878 als im damaligen „Rendsburger Wochenblatt"
eine Anzeige erschien, mit der der 33jährige Friedrich Ehrich,
aus Bordelum in Nordfriesland, mitteilte, dass er jetzt für
eigene Rechnung das bislang unter dem Namen L.Jacobsohn Söhne
eingetragene Producten-Geschäft, ansässig in der Mühlenstraße
109 in Rendsburg fortzuführen gedenke.
Der
Rohproduktenhandel in jenen Tagen hatte ein etwas anderes Gesicht
als heute. Viele kleine Händler mit Pferdegespannen fuhren
durch die Lande; sie erhielten von der Firma Ehrich Poterieware,
das heißt Gebrauchsgeschirr für den ländlichen
Bedarf. Diese Ware wurde gegen Rohprodukte eingetauscht.
Unter Rohprodukten verstand man zunächst
Alteisen, Altmetalle, Lumpen, Knochen, Häute und Felle aller
Art sowie Rauchwaren. Das heißt Füchse, Marder, Iltisse,
Wiesel, Otter und Dachse, die in der damaligen Zeit noch reichlich
geschossen und gefangen wurden.
Bis
zur Jahrhundertwende war dies ein florierendes Geschäft,
das sich inzwischen auch einen guten Namen gemacht hatte. Wenige
Jahre nach der Jahrhundertwende übergab Friedrich Ehrich
das Geschäft an seinen Sohn Heinrich, der es zunächst
im gewohnten Stil des Vaters weiterführte. Der erste Weltkrieg
zog ins Land und brachte eine Verknappung der Rohstoffe mit sich
und damit einen Anstieg des Geschäftes.
Die
Jahre nach dem ersten Weltkrieg gestalteten sich sehr schwierig.
Die Weltwirtschaftskrise und die Inflation fügten auch diesem
relativ kleinen Unternehmen schwere Verluste zu. In diesen Jahren
trat der Kaufmann Hans Olsson, der vorher eine etwa gleichartige
Firma Kruse und Olsson in der Kronprinzenstraße betrieben
hatte, als Mitarbeiter ein und avancierte später zum Teilhaber.
Die Firma Ehrich wuchs in den 30er Jahren zu einer bedeutenden
Firma ihrer Branche in der Stadt heran.
Der Zweite Weltkrieg begann. Die
Rohprodukt-händler mussten - und taten dies auch - die Erfassung
aller Altrohstoffe forcieren, um der Industrie noch mehr Altmaterialien
zur Verfügung stellen zu können. Das heute so groß
propagierte Recycling war damals eine Selbstverständlichkeit!
Für viele Jugendliche war der
Verkauf von Schrott und Altmaterialien eine sehr willkommene Kassenaufbesserung.
Glücklich war man, konnte man Hein Ehrich, der inzwischen
zu einer stadtbekannten Persönlichkeit geworden war, wertvolle
Buntmetalle an seine Waage hängen.
Der Zweite Weltkrieg ging zu Ende
und damit trat in die Firma Ehrich der Neffe von Hans Olsson,
Herbert Scheil, als Großhandelslehrling ein.
Im
Jahre 1948 legte Herbert Scheil, der inzwischen wesentliche Funktionen
in der Firma übernommen hatte, weil Hans Olsson erkrankt
war, seine Kaufmannsgehilfenprüfung ab. Mit der Währungsreform
begann auch im Rohstoffhandel eine stürmische wirtschaftliche
Entwicklung. Die Firma wurde ausgebaut. So wurde zu einer der
ersten Maßnahmen die Einrichtung von modernen rationellen
Lagerplätzen außerhalb des eigentlichen Firmengrundstückes.
Erste Maschinen wie Papierpressen und Ladegeräte - bislang
wurde per Hand gearbeitet - schaffte man an. Dazu rollten die
ersten Lastkraftwagen mit Anhängern auf den Firmenhof.
Im
Jahre 1968 übernahm Herbert Scheil dann das Geschäft
nach dem Tod von Hans Olsson (1952) und dem Ausscheiden von Heinrich
Ehrich in eigenen Besitz. Mit großem unternehmerischen Talent,
mit Mut und Wagnis gab er seinem Unternehmen nun neue Vorzeichen.
Die alten Sparten Häute und Felle wurden aufgegeben und das
Schwergewicht auf die industrielle Rohstofferfassung gelegt. Beachtliche
Investitionen in Millionenhöhe wurden vorgenommen. Als eine
der ersten Firmen ihrer Branche in Schleswig-Holstein stellte
die Fa. Ehrich, inzwischen zu einer KG geworden, 1969 eine Großschrott-Schere
auf.
Auf
einem inzwischen von der Stadt gepachteten 3000 qm großem
Industrie-Grundstück mit Gleis- und Wasseranschluss fand
man jetzt ein neues Zuhause, denn im Zuge der Erweiterung war
das Stammhaus in der Mühlenstraße einfach zu klein
und deshalb verkauft geworden. Das Haus ist inzwischen einem Neubau
gewichen.
Auf
idealem Platz konnten nun anfallende Autowracks, deren Zahl ständig
stieg, zerkleinert und transportgerecht an die Hüttenwerke
geliefert werden. Ebenso der übrige zum Teil sperrige Stahlschrott.
Ein weiterer wichtiger Zweig war
aber seit eh und je die Erfassung von Altpapier. Große Mengen
dieses Materials wurden gesammelt und im Zweigbetrieb der F.Ehrich
KG in der Kieler Straße aufgearbeitet, um als wichtiger
Rohstoff wieder an die Papierindustrie zurückzugehen.
Im
Jahre 1975 wurde die Schere aus den 60er Jahren gegen eine neue
800 to Schere ausgetauscht. Damit wurde die F.Ehrich KG zu einem
der größten Verarbeiter von Autowracks und Stahlschrott
in Schleswig-Holstein. Aus der kleinen Handwaage, mit der Friedrich
Ehrich seinerzeit die Rohprodukte beim Ankauf abwog, war eine
Großwaage geworden, auf die ganze Lastzüge rollen.
1984 wurde der Bereich Papier auf
ein gepachtetes Gelände am Suhmsberg verlegt. Hier wurde
das gesammelte Papier nun sortiert, in Ballen verpresst und an
die Papierindustrie verkauft. In diesem Jahr trat auch Bernhard
Scheil in den elterlichen Betrieb ein.
5 Jahre später, wurde das Rendsburger
Abbruchunternehmen Elly Nickels und die Husumer Schrott- und Recyclingfirma
Reimer übernommen und dadurch das Betätigungsfeld in
Schleswig-Holstein weiter ausgedehnt.
Das
Jahr 1992 brachte mehrere große Veränderungen. Zum
einen wurde der Platz am Obereiderhafen zu klein und man fand
mit dem ehemaligen BASF-Gelände in der Kieler Straße
einen geeigneten Ersatz. Hier wurde ein moderner Recyclingbetrieb
auf einer Gesamtfläche von 25.000 qm errichtet. Der Platz
entspricht den modernsten Umweltstandards bzgl. der Bodenversiegelung
und Abscheidetechnik.
Zeitgleich erwarb man eine Firmenbeteiligung an der MAB Rostock,
die jedoch nach wenigen Jahren wieder verkauft wurde.
Nach 10 Jahren verließ man
den Platz am Suhmsberg und zog auf das Gelände des neu entstandenen
Abfallwirtschaftzentrums in Borgstedt. Dort werden seit dem die
Aufbereitung und Vermarktung von Papier und Kunststoff durchgeführt.
In diesem Jahr (1994) übernimmt Bernhard Scheil zusammen
mit seinem Vater die Aufgaben der Geschäftsführung.
Da sich die Abfallgesetzgebung gerade
in den 90er Jahren sehr schnell und einschneidend änderte
(Duales System, Verpackungsverordnung, etc.), hat man sich entschlossen,
den bei den Firmen Elly Nickels KG und F.Ehrich KG vorhandenen
Containerdienst für Gewerbe- und Privatkunden mit dem der
Fa. WeVo Entsorgung zusammenzulegen. Man gründete zu gleichen
Teilen die Fa. Umwelt-Transport GmbH, die in Borgstedtfelde auf
dem Gelände der AWR geschäftsansässig ist.
1995 kam aufgrund des Annahmeverbotes
auf der Deponie die Aufbereitung und der Handel mit Altholz hinzu.
Durch die Investition eines Großshredders mit entsprechender
Siebtechnik und des Standortes am Nord-Ostsee Kanals konnte dieses
Geschäftsfeld stark ausgebaut und neue Verkaufsmärkte
in Schweden erschlossen werden.
Da die industrielle Entwicklung
nicht mehr als expansiv zu bezeichnen ist, hat die Geschäfts-leitung
immer mehr die Märkte in Dänemark und Schweden ins Auge
gefasst. Mit den Produkten Altholz und Müllverbrennungsschrott
(inkl. der Schlackenaufbereitung) ist man dort positiv im Markt
aufgetreten und hat somit ein neues Standbein geschaffen.
Im Jahre 2002 hat der Inhaber Herbert
Scheil seine Geschäftsanteile zu gleichen Teilen an seine
Söhne Christian und Bernhard Scheil übergeben. Bernhard
Scheil hat die alleinige Geschäftsführung übernommen
und kann mit der vorhandenen Produktpalette Schrott, NE-Metall,
Altpapier, Altholz, KFZ-Entsorgung, Abbruch und Containerdienst
den solide geleiteten Betrieb weiter aktiv und expansiv ausbauen
und somit die Marktposition in der Abfallwirtschaft weiter festigen.
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